Mit Stress richtig umgehen ist einfacher als Händewaschen!

Die Behauptung von Ewald Kloiber, EK-Seminare, Institut für Persönlichkeit & Kompetenz:

„Mit Stress richtig umgehen ist einfacher als Händewaschen!“
Wie kann das sein? Lassen Sie uns hier schrittweise vorgehen:

Was ist Stress?

Stress im ursprünglichen Sinne ist ein rein hormoneller Vorgang. Wenn wir mit irgend einem Ereignis / einer Situation überfordert sind, dann produziert unser Gehirn u. a. Kortisol, das sogenannte Stresshormon. Dieses und ähnliche Hormone wirken in unserem Körper ähnlich wie eine Droge. Um den gesamten Vorgang zu verstehen, müssen wir, wie so oft in unser Geschichte einige Zeit zurückgehen. Von Natur aus gab es keine Schmerzmittel, aber durchaus schon immer Schmerzen, die, wie wir heute sagen, nicht auszuhalten waren. Deshalb hat Mutter Natur vorgesorgt und eine Art Abschaltmechanismus für Notfälle in uns eingebaut. Wenn wir absolut überfordert sind, früher z. B. durch enorme Schmerzen, dann wirken diese Hormone als Droge. Das kann bis zum Abschalten (Ohnmacht) gehen. Wir kennen ähnliche Fälle alle aus verschiedenen Filmen, wenn eine feine Dame mit etwas konfrontiert wird, dass sie überfordert, dann fällt sie in Ohnmacht. Wir sehen, ursprünglich hatte also dieser Vorgang, der heute als Stress bezeichnet wird, durchaus seinen Sinn, es war eine natürliche Reaktion, die uns helfen sollte und dies auch heute noch tut.

Als einfache Definition für Stress können wir das Wort Überforderung verwenden.

Stress ist heutzutage nicht auf den Beruf beschränkt. Die Leistungsgesellschaft mit dem aus ihr resultierenden Leistungsdruck macht keinen Halt vor der heimischen Wohnungstür. Wir werden leider schon in der Schule erzogen, gestresst zu leben und zu reagieren. Bereits dort wird die Leistungsgesellschaft mit all ihren negativen Auswirkungen den Kindern eingeprägt: „Sei besser als andere, sonst schaffst Du es im Leben nicht!“ Wären sich Lehrer und Eltern bewusst, was sie mit solchen Drohungen anrichten, sie würden sich wohl jedes mal mit der Fliegenklatsche auf den Mund schlagen, wenn sie es sagen. Hier in den Anfängen der Schulen wird den Kindern nämlich klargemacht, dass das Bessersein überall gilt, in der Schule, im Sport, in der Freizeit, beim Hobby usw.

Egal, was wir machen, wir wollen immer besser sein als andere und haben darum gar nicht die Möglichkeit, uns wirklich zu erholen, uns einfach mal gehen zu lassen, nichts zu tun, nichts zu müssen. Wenn der gestresste Manager sagt, ich entspanne ab jetzt, ich fang an Golf zu spielen – dann dauert es nicht lange und sein Ziel ändert sich, er will ein besseres Handicap als seine Mitspieler. Wenn der gestresste Facharbeiter sagt, ich will jetzt einen Ausgleichssport betreiben und anfängt Rad zu fahren, dann dauert es nicht lange, bis er schneller und ausdauernder sein will als seine Mitfahrer. Es ist halt so, gerade bei Männern ist die Sucht nach dem Bessersein genetisch bedingt. Das ist auch in Ordnung, solange wir Möglichkeiten haben uns zu erholen – sprich Situationen in denen wir nicht besser sein müssen. Und genau das ist das Problem, diese Situationen finden wir immer seltener.

Wer hat mehr Stress, der Manager oder der Lehrer?

Wie gesagt, ist Stress eine Überforderung. Jeder fühlt sich durch andere Situationen / Ereignisse überfordert. Deshalb kann niemand sagen, dass der von einem Termin zum anderen hetzende Manager mehr gestresst ist, als ein Schullehrer, der nachmittags um 14:00 Uhr Feierabend macht. (alle Lehrer verzeihen mir dies bitte, ist nicht negativ gemeint) Wenn es dem Manager Spaß macht, seinen Terminkalender bis zum Äußersten auszureizen, dann wird er trotz aller Hetzerei dabei keinen Stress empfinden. Wenn dem Lehrer seine Tätigkeit mit aufmüpfigen Schülern schon seit langem auf die Nerven geht, dann reicht schon eine Stunde Arbeitszeit am Tag aus, um in Stress versetzt zu werden. Was die Gesellschaft lernen muss, ist den individuellen Stress zu tolerieren, denn der Manager wäre als Lehrer in der Schule, wo ihm zu wenig los ist, wo nicht richtig anpacken und Dinge bewegen kann sicher auch gestresst. Wir dürfen den Stress anderer also nicht mit unseren eigenen Maßstäben messen.

Nimmt der Stress heutzutage zu?

Die Frage ist nicht, ob der Stress zugenommen hat, sondern ob der Druck auf die Mitarbeiter zugenommen hat. Und hier ist die Antwort wohl klar und eindeutig – ja, wir alle können am eigenen Leib verspüren, dass es so ist. Wissenschaftliche Stress-Studien befassen sich leider selten mit den Ursachen, sondern meist nur mit den oberflächlichen Auswirkungen und sind deshalb nach meiner Überzeugung nicht zu unterstützen, weil sie die ganze Sache von der falschen Seite her angehen. Das wäre in etwa so, als würden in einem Fall, wo die Bewohner um ein Kernkraftwerk alle an Krebs erkrankt sind und die Fachleute sich fragen: „Was ist nur mit den Menschen los? Wir haben hier eine Studie gemacht und festgestellt, dass diese Leute alle krank sind. Das wird wohl daran liegen dass diese Krankheit zugenommen hat.“

Auch wenn es sich ein wenig makaber anhört, aber so ist es, Studien sollten sich zunächst nicht mit Auswirkungen befassen, sondern mit Ursachen.

Was können wir gegen Stress tun?

Wir alle können nicht nur lernen mit Stress umzugehen, sondern ihn sogar beseitigen, wenn wir es wirklich wollen. Wir können auch aufhören zu Rauchen, wenn wir es wollen. Es ist nicht einfach, aber es geht – und es lohnt sich. Auch wenn es sich hier etwas übertrieben anhört, in meinen Seminaren mache ich die Beweisführung. Hier eine einfache Zusammenfassung:

Wir müssen uns bewusst machen, dass nicht etwa eine Situation oder ein Ereignis Stress ist, sondern der Vorgang, den dieses Ereignis in uns, in unserem Gehirn auslöst – die Produktionen von Stresshormonen. Die Lösung hört sich fast zu einfach an, ist aber zu trainieren: Wir dürfen Stress (die Produktion von Stresshormonen) nicht zulassen. Ich weiß, es ist nicht einfach, aber viel, viel einfacher als es sich die meisten Menschen vorstellen. Im Detail darauf einzugehen würde mit Sicherheit den Rahmen dieses Artikels sprengen, hier empfehle ich gute Seminare, wir sind nicht der einzige Anbieter hierfür.

Welche Ursachen spielen die größte Rolle für die Entstehung von Stress? Was ist mit Arbeitnehmern / Menschen, die Stress nicht aufgrund von Über- sondern durch Unterforderung empfinden?

Die Ursachen haben wir ja schon vorher erläutert. Interessant in dieser Frage ist, dass sie unbewusst die Definition von Stress – Überforderung – enthält. Irgendwo wissen wir es wohl alle, wir müssen es uns nur vor Augen führen um es zu verstehen.

Aber zurück zur Frage, genaugenommen kann Unterforderung keinen Stress auslösen. Ich weiß, dass viele Fachleute dies leider in einen Topf schmeißen. Wen wir etwas dagegen tun wollen, dann müssen wir schon unterscheiden: Überforderung bedeutet Stress, Unterforderung bedeutet Frust. Beides kann ähnliche Auswirkungen haben und auch ähnlich beseitigt werden. Aber eben nur ähnlich, wer langfristig etwas dagegen tun will, der muss sich der Unterschiede bewusst werden.

Ist Stress nur negativ zu sehen oder auch positiv?

Wirklicher Stress ist immer negativ. Das was oft als positiver Stress bezeichnet wird, ist kein Stress. Gemeint ist meist ein ähnlich berauschendes Gefühl, das aber nicht durch die Stresshormone, sondern teilweise durch die sogenannten Glückshormone (z.B. Serotonin) ausgelöst wird oder die Vorstufe zum Stresshormon Adrenalin, das Noradrenalin. Auch hier ist es wichtig klar zu unterscheiden. Durch den falschen Ausdruck „positiver Stress“ meinen viele Chefs, sie müssten ihre Mitarbeiter unter Stress setzen um ihnen etwas gutes zu tun. Hier ist dringendst Aufklärungsarbeit und Klarheit in diversen Veröffentlichungen nötig.

Wie reagieren die meisten Arbeitgeber auf Hinweise ihrer Mitarbeiter zum Thema Stress?

Leider sind es noch relativ wenige Unternehmen, die erkannt haben, dass nur ein gut funktionierender und zufriedener Mitarbeiter langfristig gute Arbeit leistet. Sobald er unter enormen Stress, also praktisch unter Drogen steht, ist das Ergebnis seiner Arbeit nicht mehr das, was es sein könnte und sollte. Diese Bewusstsein ist aber Gott sei dank am wachsen, schließlich käme kein Arbeitgeber auf die Idee zu sagen, seine Mitarbeiter arbeiten gut, wenn sie high sind.

Ein erster Tipp, auch ohne Seminar:

Take it easy – das verhindert die Produktion von Stresshormonen. Wir kennen doch alle von unseren Eltern oder Großeltern den Satz: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“. Er sagt genau das aus, worum es geht. Erst wenn etwas in unser Gehirn gelangt ist, dann kann Stress entstehen, dann können wir uns darüber aufregen. Wir haben zwar nicht immer die Möglichkeit, zu verhindern dass etwas durch unsere Augen und Ohren in unser Gehirn gelangt, aber wir können, wenn wir es wirklich wollen, beeinflussen was dieses etwas in unserem Gehirn auslöst. Jeder, der mit dem Rauchen aufgehört hat, kann auch mit Stress aufhören. Diese Menschen kennen dieses Gefühl des Verlangens nach einer Zigarette und auch das Gefühl der Zufriedenheit und des Stolzes, wenn sie es geschafft haben dem Verlangen zu wiederstehen. Genauso wird es ihnen mit Stress ergehen, es verschafft ein tiefes Zufriedenheitsgefühl zu bemerken, dass sie ihren Gefühlen nicht mehr hilflos ausgeliefert sind.

Seminartipp: https://www.ek-seminare.de/seminare/oeffentliche-seminare/intelligenter-umgang-mit-stress-druck-u-problemen/